Historie

In einer Urkunde aus dem Jahr 976 wird – anlässlich einer Schenkung Kaiser Ottos II. an den Bischof von Worms – Rohrhof als „Rorheim“ erstmals erwähnt. Die Endung -heim deutet auf eine Gründung während der fränkischen Landnahme hin. Im 16. Jahrhundert wandelte sich der Name, der für Heim im Röhricht steht, zu Rohrhof. In Rohrhof befand sich jahrhundertelang nur ein einziger Hof.

Lehensträger waren ab dem 11. Jahrhundert die Grafen von Henneberg. 1152 schenkte der Wormser Bischof den Ort dem Zisterzienserkloster Schönau, das die Siedlung in eine Grangie verwandelte, das heißt, die meisten Häuser wurden abgebrochen und das Ackerland von einem großen Wirtschaftshof aus kultiviert. Das Schönauer Kloster war das Hauskloster der Pfalzgrafen bei Rhein. Im Rahmen der Reformation wurde das Kloster 1558 durch Kurfürst Ottheinrich aufgehoben und der Hof und das Land wurden fortan von der Pflege Schönau verpachtet.

Ausschnitt-aus-einem-Plan-der-Gemarkung-Rohrhof-Ende-18Rohrhof war vor der Eingemeindung zu Brühl im Jahre 1878 rechtlich selbständig. Die Polizeihoheit wurde von einem Stabhalter wahrgenommen.
Als 1709 die Territorialgrenze zwischen beiden Siedlungen fiel, kam der Rohrhof unter die gerichtliche Zuständigkeit von Brühl. Auf drängen von Brühl wurde 1878 die Gemarkung von Rohrhof aufgehoben. Sie war beträchtlich umfangreicher als die von Brühl ohne den Koller. Das einstmals Rohrhofer Feld kam nach der Jahrhundertwende sehr stark in den Ausstrahlungsbereich der Rheinauer Industrie. Eingemeindungsbestrebungen blieben aber ohne Erfolg. Im Nordwesten der Gemarkung entstand ein riesiges „Baggerloch“, aus dem das Aufschüttungsmaterial für den Rheinauer Hafen gewonnen wurde. 1936 legte die damalige I.G.-Farben (heute BASF SE, Ludwigshafen) eine Siedlung am Nordrand der Gemarkung an. 1944 wurde gegen den Willen der Gemeinde Brühl 225 ha aus der einstigen Gemarkung Rohrhof der Stadt Mannheim einverleibt. Die Grenze sprang dicht gegen den alten Rohrhof vor und wies auch die Brühler Industrie (Schütte Lanz) der Stadt Mannheim zu. 1950 konnte diese Umsiedlung zum Teil wieder rückgängig gemacht werden. Knapp 110 ha mit dem Industriegebiet kamen an Brühl zurück. Bei der Stadt Mannheim verblieb die Siedlung (Rheinau Süd) und das „Baggerloch“ (Rheinauer See).

1909 wurde auf Rohrhofer Gemarkung, auf Gelände, das die Rheinau-Betriebsgesellschaft erschlossen hatte, durch Zusammenwirken des Konstrukteurs Prof. Johann Schütte und der Firma Lanz die Schütte-Lanz Luftschiffswerft gegründet. Sie arbeitete vor allem für Rüstungsaufträge und musste sich 1919 ganz auf die Erzeugung hochwertiger Sperrholzplatten umstellen.

Die im Jahr 1766 auf Rohrhofer Gemarkung von Herzog August Karl von Zweibrücken errichtete Fasanerie wurde 1803 zum Sitz eines Försters und wurde 1840 abgebrochen (heutiges Neubaugebiet Fasanerie).

Lageplan-der-Fasanerie-um-1766-auf-der-Gemarkung-Rohrhof

 

Bevölkerungsentwicklung:

Erst vom Ende des Dreißigjährigen Krieges liegen für den Rohrhof einigermaßen zuverlässige Zahlen vor:
1777 : 66
1834 : 68
1852 : 57
1875 : 91
1905 : 264
1950 : 1077
1961 : 2404
Das Bevölkerungswachstum auf dem Rohrhof setzte erst mit der Industrialisierung von Rheinau im größeren Maße ein.

 

Die Geschichte des Rohrhofs hat der Hauptlehrer Eugen Seyfried aus Ketsch in seinem Buch Heimatgeschichte des Bezirks Schwetzingen von 1925 hervorragend beschrieben. Er zeigt deutlich die Entwicklung, die der Rohrhof in der Zeit zwischen 1570 und 1790 genommen hat. (vgl. hierzu auch die Landkarten aus dieser Zeit in meiner Sammlung unter diesem Link.)

Ich stelle die Seiten von Herrn Seyfried über Rohrhof auf diese Seite und hoffe auf sein Einverständnis. Seinem Vorwort zu seinem Buch kann man seine Motivation zur Erstellung des Buchs entnehmen. Zitat: „Zweck und Ziel des vorliegenden Buches soll die Belehrung der breiten Masse über die heimatgeschichtlichen Vorgänge in grauer Vorzeit, im bewegten Mittelalter, in der geklärteren Jetztzeit sein. (…) es soll vor allem denen, welchen das Studium einschlägiger Werke aus irgend einem Grund nicht vergönnt ist und doch großes Interesse an unserer Vergangenheit haben, in volkstümlicher und leicht verständlicher Weise das Wissenswerte aus diesem Gebiet (..) vermitteln.

In diesem Sinne möge das Buch nun seinen Weg nehmen.

Ketsch, im November 1925“

Hieraus entnehme ich, dass Herr Seyfried in heutiger Zeit sicher auch das Internet als Medium nutzen würde um seine Recherchen zu veröffentlichen und zeige hier einen Auszug seines Buches.

Im Kapitel 6 beschäftigt er sich mit der Geschichte des Rohrhofs aber auch die anderen Kapitel über die umliegenden Gemeinden sind sehr interessant und lesenswert. Die komplette Ausgabe wird noch in einigen Antiquariaten angeboten.

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